Erster Wiesbadener Compliance Tag:

 

Eröffnung des Centers for Corporate Compliance an der EBS Law School in Wiesbaden

 

Zu den Referenten gehörten nach Reihenfolge der Vorträge Wolfgang Hartmann, Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Instituts für Risikomanagement und Regulierung, Frankfurt a. M., vormals Vorstand der Commerzbank AG, Dr. Christoph E. Hauschka, PriceWaterhouseCoopers, München, Prof. Dr. Michael Nietsch, EBS Law School, Wiesbaden, Dr. Katharina Hastenrath, SMS group, Düsseldorf und Prof. Dr. Michael J. J. Brück, Norton Rose Fulbright LLP, Frankfurt a. M. An der Podiumsdiskussion nahmen Carsten Beisheim, Wüstenrot & Württembergische AG, als Moderator sowie Dr. Hartmut Rödder, BASF AG, Dr. Stefan Vogelsang, Deutsche Bahn AG, Otto Geiß, Fraport AG, und Dr. Jochen Pörtge, Clifford Chance, als Teilnehmer teil. Moderiert wurde die Tagung von Prof. Dr. Ulrich Burgard, Universität Magdeburg,und Prof. Dr. Michael Nietsch.

Nach der Begrüßung durch den Dekan der Law School, Prof. Dr. Markus Ogorek, referierte Wolfgang Hartmann unter dem Titel „Compliance aus Sicht des Vorstands der börsennotierten Aktiengesellschaft“ über Compliance-Risiken aus Sicht einer Bank. Im Anschluss führte Dr. Christoph E. Hauschka dem Auditorium die Lehren zur Organhaftung wegen unzureichender Compliance aus dem Neubürger-Urteil des LG München I thesenhaft vor Augen. Mit seinem teils pointierten Vortrag, der in der anschließenden Fragerunde für Diskussionsstoff sorgte, gab Hauschka einen guten Einblick in die Sichtweise der Praktiker. Danach erläuterte Prof. Dr. Michael Nietsch das unternehmerische Ermessen gemäß § 93 I 2 AktG bei Compliance-Entscheidungen und verdeutlichte, dass eine Zweckmäßigkeitsprüfung im Sinne der Business Judgement Rule auch ein Legal Judgement (Rechtmäßigkeitsprüfung) beinhalten muss.

Nachdem es in der ersten Abteilung um Haftungsfragen ging, beschäftigte sich die zweite Abteilung der Tagung mit der Umsetzung von Compliance aus Praktikersicht. Dr. Katharina Hastenrath eröffnete unter dem Titel „Leistungsfähigkeit und Leistungsgrenzen von Compliance Management Systemen und Normanforderungen an Compliance“ und stellte die Prüfungsstandards IDW PS 980, ISO 19600 und den TÜV-Prüfungsstandard im Einzelnen dar. Die Zielsetzung, die ein Compliance-Officer mit einem Prüfungsstandard verknüpft, namentlich eine Festlegung von Inhalt und Umfang eines Compliance Management Systems und eine Enthaftung durch Zertifizierung, sah Hastenrath bei keinem Prüfungsstandard als erfüllt an. Eine Zertifizierung nach den bestehenden Prüfungsstandards könne lediglich einen Katalysator-Effekt für die interne Compliance-Abteilung bewirken. Schließlich behandelte Prof. Dr. Michael J. J. Brück die Schwierigkeiten der Umsetzung von Compliance-Programmen in international tätigen Unternehmen. Er sprach sich dabei für eine Hinwendung zu einer wertebasierten Compliance aus.

Die abschließende Podiumsdiskussion beschäftigte sich mit dem Thema der wertebasierten Compliance. Die Diskussionsteilnehmer gewährten einen interessanten Einblick in die Praxis ihrer Unternehmen. Sie führten unterschiedliche Methoden der unterstützenden wie auch repressiven Vermittlung der Bedeutung der Unternehmensintegrität gegenüber Mitarbeitern auf.

Der Wiesbadener Compliance Tag soll in Zukunft als regelmäßige Veranstaltung des Centers for Corporate Compliance an der EBS Law School ausgerichtet werden. Voraussichtlicher Zeitraum für die Tagung 2015 ist Mitte Juni.

 

 

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